Ausgabe 02/2017 

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Ausblick

Ausgabe 02/2017

Spaltung am Bosporus

Warum die Türkei nicht aus der Krise herauskommt, Green Bonds so gefragt sind wie nie – und die Benzinpreise wohl auch künftig niedrig bleiben

2,9 Prozent soll die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen Ende des Jahres betragen

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Zinsausblick: Steigende Renditen für das zweite Halbjahr wahrscheinlich

Die politischen Unsicherheiten der jüngsten Zeit haben sich insbesondere am Rentenmarkt widergespiegelt. Die Wahlen in Europa und die Befürchtung, dass US-Präsident Donald Trump seine wachstumsfreundlichen Wahlversprechen nicht umsetzen kann, werden die Märkte wohl auch in den nächsten Monaten beschäftigen. Hinzu kommen auflammende geopolitische Risiken, etwa der Konflikt mit Nordkorea. Allerdings dürften bald auch die positiven Signale, die vor allem aus der Wirtschaft gesendet werden, wieder stärkeres Gehör finden – vorausgesetzt, die Risikostimmung hellt sich nachhaltig auf. Dies sollte in der Folge dazu führen, dass die Märkte häufigere Zinsschritte der US-Notenbank einpreisen und dass die Erwartung zunimmt, dass auch die EZB ihren monetären Stimulus etwas zurückfährt. Wir erwarten zum Jahresende daher nicht nur ein spürbar höheres Renditeniveau bei zehnjährigen US-Staatsanleihen von derzeit 2,3 auf 2,9 Prozent, sondern rechnen auch für Bundesanleihen gleicher Laufzeit mit einem Renditeanstieg auf dann 0,7 Prozent.

50 US-Dollar kostet aktuell das Barrel Öl, trotz der angekündigten Produktionskürzungen

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Ölpreis-Entwicklung: Das OPEC-Kartell bröckelt gewaltig

Beim Weg an die Zapfsäule werden Autofahrer derzeit positiv überrascht. Trotz der medial stark beachteten Produktionskürzungen der OPEC sind die Öl- und damit auch die Benzinpreise weiter niedrig. Unserer Einschätzung nach könnten die Preise in nächster Zeit sogar noch weiter sinken. Denn trotz der Anstrengungen der OPEC haben die Anzeichen einer anhaltenden globalen Öl-Überproduktion wieder zugenommen. Vor allem in den USA steigt die Förderung weiter an. Und auch das OPEC-Kartell selbst zeigt bereits heute erhebliche Risse. Die insgesamt hohe Erfüllungsquote der zugesagten Produktionskürzungen wird fast ausschließlich von Saudi-Arabien getragen. Die übrigen OPEC-Staaten haben ihre Produktion dagegen nicht deutlich zurückgefahren und zum Teil sogar noch erhöht. Dieser Trend dürfte sich in Zukunft weiter fortsetzen und erklärt auch, weshalb die Ankündigung der OPEC, die Produktionskürzungen über Juni 2017 hinaus zu verlängern, keinen Preisschub am Ölmarkt nach sich gezogen hat. Die Glaubwürdigkeit der OPEC leidet damit mehr und mehr, zumal Saudi-Arabien künftig wohl immer weniger dazu bereit sein dürfte, durch eigene Kürzungen und damit einhergehende Marktanteilsverluste die Produktionsgrenzen fast alleine zu sichern. Der Weg an die Zapfsäule könnte vor diesem Hintergrund gerade zur Sommerzeit für viele Autofahrer erfreulich enden.

130 Mrd. US-Dollar könnten 2017 ins Green- Bond-Segment fließen – ein neuer Rekordwert

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Öko-Anleihen: Das Neuemissionsvolumen mit Green Bonds wächst rasant

Das Green-Bond-Segment (Anleihen, deren Emissionserlös ausschließlich für Investitionen in den Umwelt- und Klimaschutz verwendet wird) hat seinen Höhenflug 2016 in beeindruckender Manier fortgesetzt. Das Neuemissionsvolumen stieg um 92 Prozent auf 81 Milliarden US-Dollar und hat sich gegenüber dem Vorjahr damit nahezu verdoppelt. Den größten Anteil daran hatten mit 27 Prozent Emittenten aus China. Aber nicht nur dort spiegelt sich das auf politischer Ebene wachsende Bewusstsein für Umweltthemen zunehmend auch auf der Ebene von Finanzierungsentscheidungen wider. Insgesamt hat sich das Segment nach Ländern (Ende 2016 waren es weltweit 24) und Emittentengruppen weiter diversifiziert. Neu hinzugekommen sind grüne Staatsanleihen. Nach Polen hat auch Frankreich im Januar 2017 eine grüne Staatsanleihe begeben – mit einem Volumen von sieben Milliarden Euro und einer Laufzeit von knapp 22,5 Jahren die bislang größte Einzelemission im Green-Bond-Segment. Wenngleich hinter die Umweltpolitik der neuen US-Regierung ein Fragezeichen zu setzen ist, dürfte das weltweite Emissionsvolumen auch 2017 weiter steigen – vorsichtig geschätzt auf ein neues Rekordniveau im Bereich von 120 bis 130 Milliarden US-Dollar.

51,4 Prozent der Türken votierten für die Einführung des Präsidialsystems

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Türkei: Der Referendumsentscheid am Bosporus spaltet die Bevölkerung

Nach Prüfung diverser Unregelmäßigkeiten vor und während des Referendums zur Einführung eines Präsidialsystems, die von der türkischen Opposition und Wahlbeobachtern der OSZE vorgebracht wurden, hat die Wahlkommission den knappen Sieg des Ja-Lagers Ende April offiziell bestätigt. Mit einer Zustimmungsquote von nur 51,4 Prozent der Stimmen fiel das Ergebnis allerdings äußerst knapp aus und zeigt bei Weitem nicht die von Präsident Recep Erdogan erhoffte Unterstützung. Im Gegenteil: Die Skepsis reicht bis in sein eigenes AKP-Lager hinein. Insbesondere die junge, urbane Bevölkerung lehnt die Manifestierung autokratischer Strukturen für Gesellschaft und Politik ab. Deshalb müsste die Einigung der tief gespaltenen Bevölkerung jetzt eigentlich ganz oben auf der politischen Agenda stehen. Die Realität indessen sieht anders aus. Mit der Annahme des Referendums befindet sich Erdogan bereits wieder mitten im Wahlkampf für die Präsidentenwahl 2019. Bis dahin will er auch die schwächelnde Konjunktur wieder in Schwung bringen. Abgesehen von fiskalpolitischen Strohfeuern, ist jedoch noch völlig offen, wie angesichts von steigender Repression, Rechtsunsicherheit und Unruhen das defizitäre Wirtschaftsmodell Wachstum und Arbeitsplätze generieren soll.