Ausgabe 04/2016 

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Goldmarkt

Ausgabe 04/2016

Heavy Metal

Seit jeher zieht Gold die Menschen in seinen Bann. Es krönt Könige und ehrt Olympiasieger. Aber ist es in Zeiten der Krise auch das bessere Geld? Eine kleine Geschichte über den wahren Wert des Goldes
von Stefan Schmortte

Wenn Investoren ihre Besitztümer in Gold rühmen, geben sie gerne eine Geschichte zum Besten, die auf Stephen Harmston zurückgeht, ein Wirtschaftswissenschaftler aus Großbritannien. Der hat vor Jahren mal errechnet, was eine Unze des Edelmetalls zu Zeiten des babylonischen Königs Nebukadnezar II. wert war – in etwa 350 Laib Brot.

Heute, so lautet die Pointe der Geschichte, kostet ein Roggenurkorn beim Bäcker um die Ecke ungefähr 3,50 Euro. Bei einem Goldpreis von aktuell rund 1.250 Dollar erhält man für die Unze also noch genauso viel Brot wie vor 2.600 Jahren zwischen Euphrat und Tigris. Will sagen: In Gold we trust. Mehr Wertbeständigkeit gibt es nirgends auf der Welt.

„Regierungen kommen und gehen, Gold aber bleibt bestehen", sagt Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall-Service GmbH, ein Unternehmen im baden-württembergischen Rheinstetten, das sich auf das Recycling und den Handel von Edelmetallen spezialisiert hat. „In einer Zeit, in der die Notenbanken die Geldmengen immer weiter ausdehnen und die Staaten ihre Schulden nicht mehr in den Griff bekommen, ist Gold für viele Anleger deshalb so eine Art letzter Rettungsanker."

Ist das seltene Element mit der Ordnungszahl 79 im Periodensystem also womöglich das bessere Geld? Kostbarer, als es Dollar, Pfund oder Euro jemals sein können? Überdauert es, anders als das bedruckte Papier, völlig unbeschadet Krisen und Kriege? Kann es die Investoren vor Vermögensverlusten schützen oder sogar richtig reich machen? Vor allem jetzt, wo die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Leitung von Mario Draghi nach Ansicht so mancher Beobachter schon fast ein Fall für die Palliativmedizin zu werden droht?

Mythos Gold

„In den vergangenen Jahrzehnten waren die offiziellen Währungen aus Sicht vieler Anleger in einer Hinsicht attraktiver als Gold: Mit ihnen ließ sich ein Zins verdienen, mit dem Halten von Gold dagegen nicht", sagt Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH. „Doch eben dieser Wettbewerbsvorteil ist mit der Nullzinspolitik der Zentralbanken nunmehr perdu. Gold ist, so gesehen, gutes Geld, es ist geradezu perfektes Geld."

Der Goldene Reiter: Das Standbild auf dem Neustädter Markt in Dresden erinnert an den sächsischen Kurfürsten und polnischen König August den Starken.
Foto: Getty Images

Weil das Edelmetall knapp, teil- und prägbar ist, transportabel und nicht verderblich, zieht es die Menschen von jeher in seinen Bann. Die Pharaonen ließen sich in ihren Pyramiden mit Gold begraben, um im Fall des erhofften Weiterlebens nicht auf das gewohnte Ambiente verzichten zu müssen. Im Mittelalter stellten Fürsten und Könige an ihren Höfen Alchemisten ein, in der Hoffnung, sie könnten ihnen aus schnödem Erz pures Gold herstellen. Und in der frühen Neuzeit wurde Spanien zeitweise nur deshalb zum reichsten Land Europas, weil die Konquistadoren den Völkern in Mittel- und Südamerika mit blutigem Schwert ihre Goldschätze raubten.

Nur knapp 190.000 Tonnen des Edelmetalls, schätzen Geologen, wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte gefördert. Gepresst in eine geometrische Form, nicht sehr viel mehr, als ein Würfel mit einer Kantenlänge von 20 Metern fassen würde. So selten ist der dehnbare Stein, wie die alten Ägypter das vergleichsweise weiche Material nannten, dass schon im Alten Testament mal bewundernd, mal abfällig von ihm die Rede ist. Bewundernd, wenn der Reichtum König Salomos beschrieben wird. Und sehr tadelnd, wenn Aaron, der ältere Bruder Mose, die Israeliten um sein goldenes Kalb tanzen lässt. Das Edelmetall zeugt von Macht und Gier und ist bis heute ein Objekt menschlichen Verlangens. Es zeichnet Oscar-Preisträger und Olympiasieger aus und steht – in Form des Eherings – sogar für die Liebe.

Der Mythos des gelben Metalls gründet darauf, dass es für eine letzte Sicherheit bürgt, wenn alle anderen Sicherheiten wegfallen. „Papiergeld wird im Extremfall von niemandem akzeptiert. Gold wird immer akzeptiert", schrieb Alan Greenspan schon 1966 in einem Aufsatz mit dem programmatischen Titel „Gold und wirtschaftliche Freiheit" – auch wenn er als späterer Chef der US-Notenbank Fed mit seiner ultralockeren Geldpolitik dann selbst dazu beitrug, den Wert der Banknoten herabzusetzen.

Asset-Klasse erster Güte

Dass der Schein sehr leicht trügen kann, haben die Menschen im Laufe ihrer Geschichte oft genug erfahren müssen. Allein in Deutschland gab es bis zur Einführung des Euro vier verschiedene Zahlungsmittel. Auf die Mark des Bismarck-Reiches folgten nach Krieg und Hyperinflation erst die Renten- und dann die Reichsmark, bis auch sie der nächsten Währungsreform zum Opfer fiel und 1948 durch die D-Mark ersetzt wurde. Im Umtauschverhältnis eins zu zehn und mit einem Kopfgeld von 60 DM für jeden.

Der Felsendom: Der Sakralbau ist eines der ältesten Heiligtümer des Islam. Er steht auf dem Tempelberg in Jerusalem.
Foto: Interfoto

Dieses traumatische Erlebnis belastet das kollektive Gedächtnis bis heute und erklärt wohl auch zum Teil die besondere Liebe der Deutschen zum Edelmetall. „Es ist die sprichwörtliche German Angst, welche die Menschen zu Gold greifen lässt. Angst vor der Zukunft, Angst vor Inflation, Angst vor dem Auseinanderbrechen des Finanz- und Wirtschaftssystems", sagt Michael Eubel, Leiter der Abteilung Sorten und Edelmetalle bei der BayernLB. „Die kurzfristige Performance spielt dabei kaum eine Rolle. Wir können in einem Markt mit steigenden Preisen genauso viel Gold verkaufen wie in einem fallenden."

Mit 720 Tonnen Silber und knapp 48 Tonnen Gold, das entspricht dem Gewicht von 40 vollbesetzten Reisebussen, hat die BayernLB 2015 mehr Münzen und Barren mit ihren Kunden gehandelt als jemals zuvor. „Auch im laufenden Jahr werden wir dieses Ergebnis erreichen, vielleicht sogar leicht toppen", sagt Eubel. „In einer Zeit, in der die EZB Strafzinsen für die Gelder auf ihren Konten verlangt, ist Gold für immer mehr institutionelle Anleger eine Asset-Klasse erster Güte."

Insgesamt lag der Absatz in Deutschland im Vorjahr bei rund 120 Tonnen. Damit ist der hiesige Investment-Goldmarkt nach China und Indien der drittgrößte der Welt, noch vor den Vereinigten Staaten. Und das trotz einer Preisentwicklung, die den Investoren in jüngster Vergangenheit keineswegs nur Freude bereitete. Denn Gold, so wertbeständig es über einen sehr langen Anlagehorizont auch scheinen mag, ist alles andere als stabil.

Als die Feinunze im August 2011 erstmals mehr als 1.900 Dollar kostet, kennt der Optimismus kaum noch Grenzen. Analysten von JP Morgan geben ein neues Kursziel von 2.500 Dollar aus, andere prognostizieren sogar ein baldiges All-Time-High von 5.000 Dollar und noch mehr. Doch das Gegenteil tritt ein. Bis Dezember 2015 stürzt der Goldpreis auf 1.070 Dollar ab – ein Minus von fast 50 Prozent innerhalb von nur viereinhalb Jahren.

Sicherer Hafen im Krisenfall

Erst Anfang 2016, als die Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt gehen, sich die Wachstumsaussichten in China immer stärker eintrüben, Charts of Doom die Runde machen, Hedgefonds-Manager wie der legendäre George Soros mit Milliarden gegen den S&P 500 wetten und viele Zentralbanken ihre Politik noch weiter lockern, startet der Goldpreis sein Comeback. Mit einem fulminanten Kursplus von fast 30 Prozent in nur sechs Monaten.

„Dieses Auf und Ab an den Märkten zeigt sehr eindringlich, dass Gold im Krisenfall stets als sicherer Hafen betrachtet wird. Und wenn besonders viele in diesen Hafen wollen, steigen nun mal auch die Hafengebühren", sagt BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Michels. „Es gibt diesen schönen alten Spruch, was gut gegen die Hitze sei, helfe auch gegen die Kälte. Aber wenn man sich die Goldpreisentwicklung im niedrigen Inflationsumfeld der vergangenen Jahre anschaut, könnte man fast den Eindruck gewinnen, die Menschen seien im Hochsommer teilweise im Pelzmantel herumgelaufen. Als Rohstoff für die Wirtschaft spielt Gold jedenfalls eine nur sehr marginale Rolle."

Das Goldene Dachl: Der spätgotische Prunkerker ist das wohl bekannteste Wahrzeichen Innsbrucks. Das Dach wurde mit 2.657 feuervergoldeten Kupferschindeln gedeckt.
Foto: iStock

Anders als oft vermutet, sind die gewerblichen Einsatzmöglichkeiten tatsächlich sehr überschaubar: Gold wird für elektronische Kontakte auf Computerchips verwendet, für Inlays beim Zahnarzt oder als Blatt-Beigabe für eine Flasche Danziger Goldwasser. Um die Produktionsbänder der Industrie am Laufen zu halten, braucht es Erz, Öl oder Kupfer, aber nur in sehr geringem Umfang Gold. Mehr als zwei Drittel der jährlichen Produktion fließen in die globale Schmuckindustrie.

„Ein steigender oder fallender Goldpreis ist insofern auch kein harter Indikator für den Wert des Goldes an sich, sondern vielmehr ein Spiegelbild für das Vertrauen oder Misstrauen, das die Anleger Konjunktur, Finanz- und Geldsystem entgegenbringen", sagt Michels. Krisengeld also, eine Art Future auf die Werthaltigkeit von Dollar, Pfund oder Euro. Ein Angstbarometer par excellence und auch eine Art Geldersatz für erklärte Pessimisten.

So wie etwa für Oswald Grübel, Ex-Vorstandschef von Credit Suisse und UBS, der heute von Zürich aus nur noch sein eigenes Vermögen verwaltet. Die anhaltende Niedrigzinspolitik der Zentralbanken, warnt er, werde in einem gewaltigen Crash an den Finanzmärkten münden. „Ich kann nur empfehlen: Erhöhen Sie den Goldanteil bei Ihren Anlagen auf 30 Prozent."

Es sind überall die gleichen Argumente, die den Investoren die Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Gerade erst haben die Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ihre neueste Schulden-Statistik vorgelegt. Danach stehen Unternehmen und Regierungen nur neun Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise heute so stark in der Kreide wie noch nie seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf 152 Billionen Dollar taxieren die IWF-Experten den Sollposten der Welt – eine Zahl mit zwölf Nullen, entsprechend 225 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Das Friedensdenkmal: Das Standbild in München-Bogenhausen erinnert an den Deutsch-Französischen Friedensschluss nach dem Krieg 1870/71.
Foto: Getty Images

Spürbar verunsichert, fragen sich nicht wenige Beobachter deshalb, ob das Geldsystem dieser Belastung auf Dauer wirklich standhalten kann. Mag die Schuldenkrise aus den öffentlichen Schlagzeilen zeitweise auch verschwunden sein, ist sie doch noch immer so gegenwärtig wie die Viren in der Erkältungszeit.

Selbst Deutschland, im internationalen Vergleich ein Hort der Stabilität, würde mit einer Staatsverschuldung von aktuell knapp 70 Prozent heute nicht mehr die strengen Kriterien von Maastricht erfüllen. Wie also soll die Entschuldung der Welt gelingen, wenn nicht über eine große Inflation? „Es endet immer auf diese Weise", sagt Lawrence Lindsay, bis 1997 Mitgliedsgouverneur der US-Notenbank Fed. „Wenn Sie zurückschauen auf das alte Rom, die Ming-Dynastie oder auf Simbabwe – immer endet es auf diese Weise."

Zwar lässt die befürchtete Inflation nun schon seit Jahren auf sich warten, doch das hindert die Kritiker des heutigen Finanzsystems nicht daran, schon eine neue, disziplinierende Geldordnung zu fordern – angemahnt etwa von Thomas Mayer, bereits als Chefvolkswirt der Deutschen Bank für seine unkonventionellen Vorschläge bekannt und heute als Gründungsdirektor beim Kölner Research-Institut Flossbach von Storch in Diensten.

Schon 2014 ging er in seinem Buch „Die neue Ordnung des Geldes. Warum wir eine Geldreform brauchen" mit dem Finanzsystem hart ins Gericht. Vor ein paar Monaten legte er noch einmal nach und fordert jetzt die Einführung eines „Gold-Euros" – eine Art Schattengeld zur Gemeinschaftswährung, unterlegt mit physischem Edelmetall. „In der derzeitigen Situation hätte der Gold-Euro vor allem die Funktion eines Wertaufbewahrungsmittels, um die Geldanleger vor der Belastung durch Negativzinsen sowie vor drohenden Inflationsgefahren zu schützen", sagt er.

Fiat Money oder Goldstandard

Neu ist die Idee nicht, im Gegenteil. Noch vor 45 Jahren war der Dollar fest an den Preis des Goldes gekoppelt. Der sogenannte Goldstandard legte fest, dass ausländische Regierungen und Zentralbanken ihre Greenbacks jederzeit in das Edelmetall tauschen durften – im Verhältnis 35 Dollar gegen eine Feinunze Gold. Bis Präsident Richard Nixon, finanziell überfordert durch die Kriege in Korea und Vietnam, am 15. August 1971 vor die Fernsehkameras trat und erklärte: „Ich habe Finanzminister John Connally angewiesen, die Konvertibilität des Dollar in Gold vorübergehend auszusetzen."

Die Mezquita-Catedral: Durch das goldene Seitenportal gelangt man ins Innere der römisch-katholischen Kathedrale im spanischen Cordoba.
Foto: Interfoto

Aus dem „vorübergehend" ist längst ein „ständig" geworden, mit allen Vor- und Nachteilen für das Finanz- und Wirtschaftssystem. Erst mit Aufhebung des Goldstandards haben die Noten- und Geschäftsbanken wirklich freie Hand, um den Geldumlauf zu steuern.

Fiat Money heißt das Geld seitdem, abgeleitet vom lateinischen Es werde. Dabei handelt es sich um eine Geldschöpfung quasi aus dem Nichts heraus – jedes Mal, wenn die Banken Kredite vergeben, ohne dass ihre Kreditvergabe bis auf eine Mindestreserve durch Aktiva in ihren Bilanzen gedeckt sein muss.

Dieses Geld liefert den Schmierstoff für die Konjunktur und unterstützt Wachstum und Wohlstand. Allerdings verbunden mit dem Nachteil, dass es das System irgendwann auch aus den Angeln heben könnte. Auf jeden Fall wäre es für die EZB heute nicht so leicht möglich, im Rahmen ihres Quantitative-Easing-Programms Monat für Monat Anleihen im Wert von 80 Milliarden Euro aufzukaufen, wäre das Geld noch immer an das Gold gekettet.

„Aus akademischer Sicht spricht vieles dafür, dass ein neuer Goldstandard eine wirksame Versicherung gegen kreditfinanzierte Übertreibungen sein kann", sagt BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Michels. „Aber ich glaube nicht daran, dass es in der Praxis umgesetzt wird. Denn der Goldstandard würde unserer Wirtschaft ein Korsett anlegen, das ihr die Luft zum Atmen nimmt."

Das beste Beispiel gegen eine Goldbindung ist die Große Depression der dreißiger Jahre. Die durch die Krise verunsicherten Unternehmen und Bürger wollten seinerzeit mehr Geld horten, als ihnen zur Verfügung gestellt werden konnte. Die Zentralbanken steckten in der Zwangsjacke des Goldstandards, weil sie nur so viel Geld ausgeben durften, wie durch das Gold in ihren Tresoren gedeckt war.

In Gold we trust

„Der Goldstandard ist wie ein Medikament, das zwar eine Krankheit wirksam bekämpfen kann, dafür aber sehr starke Nebenwirkungen hat", sagt Michels. „Verabreicht an ein Kleinkind, kann ein solches Medikament vielleicht davor schützen ein Riese zu werden, aber es besteht auch eine gewisse Gefahr, kleinwüchsig zu bleiben. Besser erscheint mir da schon das Modell der alten Bundesbank, die ausschließlich der Preisstabilität verpflichtet war und die Geldmenge relativ streng kontrollierte. Das ist den vergangenen Jahren leider etwas aus der Mode gekommen."

Der Goldene Fels: Der Granitblock ist eine der heiligsten buddhistischen Stätten in Myanmar. Der Legende nach wird der Fels von nur zwei Haaren Buddhas im Gleichgewicht gehalten, sodass er nicht herunterfällt.
Foto: Interfoto

Wie Michels halten die meisten Experten eine Rückkehr zum Goldstandard heute für sehr unwahrscheinlich, noch nicht einmal für erstrebenswert. Aber viele Anleger haben im Zuge der aktuellen Diskussion ihre Depots bereits entsprechend umgeschichtet. Allein im ersten Halbjahr 2016 sammelten goldbasierte Fonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), 1.064 Tonnen Gold ein – die stärkste Nachfrage in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen seit Beginn der Aufzeichnungen durch den World Gold Council, einer Organisation der Minenindustrie.

Und auch die Zentralbanken selbst kaufen nach Jahren der Abstinenz wieder vermehrt Edelmetall auf. China hat zwischen Januar 2010 und 2016 gut 720 Tonnen Gold zugekauft und verfügt nun (Stand: Anfang 2016) über Gesamtreserven von 1.779 Tonnen. Russland verzeichnet im gleichen Zeitraum einen Zufluss von 220 Prozent (auf 1.435 Tonnen) und die Türkei sogar von 445 Prozent (auf 517 Tonnen).

Selbst Nikolaus von Bomhard, der 2017 scheidende Vorstandschef der Munich Re, normalerweise ein Mann der eher leisen Töne, weiß sich gegen die Politik des billigen Geldes nicht mehr anders zu wehren als mit dem Ankaufen von Gold. Auf der Bilanzpressekonferenz Mitte März gab er zu Protokoll, dass sein Unternehmen schon vor geraumer Zeit damit begonnen habe, Edelmetall in die Tresore einzulagern. „Wir probieren das jetzt einfach mal aus. Daran sehen Sie, wie ernst die Situation ist."

Dass Gold weder Zinsen noch Dividenden zahlt, scheint von Bomhard nicht zu stören. Wie alle anderen Investoren weiß er sehr genau, dass der Wert des Metalls allein in der Übereinkunft der Menschen besteht, es jederzeit gegen andere Werte tauschen zu können. „Theoretisch betrachtet, hätten wir uns auch darauf einigen können, orangefarbene Kieselsteine als wertvoll zu erachten", sagt BayernLB-Edelmetallhändler Eubel. „Das wäre im Prinzip das Gleiche. Überspitzt formuliert, kann man Gold deshalb als die vielleicht älteste Spekulationsblase der Welt bezeichnen. Allerdings als eine, die bis heute nicht geplatzt ist."

Womit wir wieder bei Nebukadnezar II. wären, der zu seiner Regierungszeit vor 2.600 Jahren für eine Unze in etwa 350 Laib Brot erhielt – also genauso viel, wie wir noch heute beim Bäcker um die Ecke dafür bekommen würden.

 

Foto oberer Bildrand (Ausschnitt): Interfoto