Ausgabe 04/2016 

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Goldmarkt

Ausgabe 04/2016

"Gold ist eine Weltwährung"

Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall Service GmbH, über Gold als Versicherung für den Ernstfall

Gold hat im ersten Halbjahr eine fulminante Rally hingelegt. Seitdem ist der Preis für die Unze allerdings wieder auf 1.250 Dollar gefallen. Ist die Rally damit vorerst beendet?

Nein, die Rally holt gerade nur etwas Luft. Mit der Brexit-Entscheidung der Briten hat der Goldpreis einen starken Sprung nach oben gemacht. Aber mit der Null- und Negativzinspolitik der Zentralbanken fehlt den Investoren auch künftig eine attraktive Anlagealternative. Ich bin deshalb weiter optimistisch für Edelmetall. Gold ist die Weltwährung schlechthin.

Im Gegensatz zu Aktien erwirtschaftet Gold aber keine Dividenden. Warum kaufen Anleger trotzdem Gold?

Früher hat man gerne gesagt: Investieren Sie zehn Prozent Ihres Geldes in Gold und hoffen darauf, dass Sie es niemals brauchen werden. Diese Weisheit gilt im Prinzip auch heute noch. Gold ist eine Art Versicherung für den Ernstfall. Es wird immer seinen Wert behalten, weil sich das Edelmetall nicht beliebig vermehren lässt.

Kaufen alte Menschen eigentlich mehr Gold als junge?

Nein, Gold wird quer durch alle Alters- und Bildungsschichten gekauft, übrigens immer häufiger auch als Geschenk, weil es im Gegensatz zu einer Geldüberweisung kein anonymisiertes Präsent ist. Der Enkel erinnert sich später gerne an den kleinen Goldbarren, den er einst von Opa geschenkt bekommen hat.

Ich frage deshalb, weil die Älteren selbst erlebt haben, wie schnell der Wert des Geldes im Zuge einer Währungsreform trügen kann.

Das stimmt, ältere Kunden erzählen uns oft, dass sie schon zweimal in ihrem Leben ihr Geld verloren haben und deshalb Gold kaufen. Als absoluten Notgroschen. Aber es gibt eben auch die Jüngeren, die sich mit irgendwelchen Aktien schon mal kräftig die Finger verbrannt haben und für einen Teil ihres Portfolios nun eine krisensichere Anlage suchen. Also einen Wert, der sich über Jahrtausende hinweg bewährt hat.

Trotzdem schwankt auch der Goldpreis enorm.

Gold steht im Gegensatz zu anderen Industrierohstoffen stärker im Fokus der Spekulation. Auch die Fondsgesellschaften haben einen immer größeren Einfluss. Ein Manager, der prinzipiell einen zehnprozentigen Anteil seines Portfolios in Gold hält und mit seinen Aktien gerade Verluste einfährt, ist gezwungen, Gold zu verkaufen, um die Quote zu halten. In der Folge kommt es dann zu Kursbewegungen, die mit der aktuellen Nachrichtenlage, im Grunde genommen, gar nichts zu tun haben.

Was ist mit der angeblichen Preismanipulation durch die Notenbanken, wie Verschwörungstheoretiker gerne behaupten?

Lassen Sie es mich vorsichtig formulieren: Auch wenn die Notenbanken selbst große Goldreserven halten, haben sie kein gesteigertes Interesse an einem sehr hohen Goldpreis, weil der auch immer ein Spiegelbild für die Schwäche der eigenen Währungen ist.

Vor dem Hintergrund der immens gewachsenen Schuldenlast der Staaten mehren sich bereits die Stimmen, die eine Rückkehr zum Goldstandard fordern. Was halten Sie davon?

Geschäftlich wäre mir das natürlich sehr recht, aber ökonomisch ist das heute gar nicht mehr durchsetzbar. Die Welt braucht Wachstum, und das geht nicht mit einer Währung, deren Preis an das Gold gekoppelt ist. Wir brauchen das Fiat-Money-System, um unsere Konjunktur am Laufen zu halten. Alles andere wäre eine Welt ohne Dynamik. Eine Wirtschaft im Stillstand.

Apropos Dynamik, wie entwickelt sich Ihr eigenes Geschäft?

Wir haben zwei verschiedene Geschäftsbereiche. Einerseits den Handel mit Gold, andererseits das Recycling von Edelmetallen. Im Handel werden wir dieses Jahr mehr als sechs Tonnen Gold verkaufen, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Ein Drittel davon stammt aus dem Recyclingprozess, der uns im Gegensatz zu den Wettbewerbern, die ihr Gold bei der Bank kaufen müssen, eine höhere Marge beschert. Einen Teil davon geben wir an unsere Kunden weiter und können Gold deshalb auch relativ günstig anbieten. Bei Silber recyceln wir sogar mehr, als wir im Edelmetallhandel brauchen. Dieser Überschuss fließt als Rohstoff in die Industrie.

Was raten Sie Kunden, die in Edelmetalle investieren wollen?

Dass sie Ihr Investment langfristig betrachten sollten, mindestens über ein Jahr hinweg. Wer spekulieren will, kauft besser Papiergold, also die bekannten ETFs. Allen anderen rate ich zum Kauf von physischem Gold in verschieden großen Stückelungen, um bei einem späteren Verkauf flexibel zu sein.

Sie selbst bieten sogenannte CombiBars an. Warum?

Ob Sie einen großen oder kleinen Goldbarren herstellen, es kostet im Prinzip dasselbe. Der Vorteil der CombiBars liegt darin, dass Sie von einem größeren Barren wie bei einer Tafel Schokolade kleine 1-Gramm-Stücke abbrechen können, verlustfrei und mit perfekten Sollbruchstellen. Eine 50-Gramm-Goldtafel zu kaufen ist um rund zwölf Prozent günstiger, als wenn Sie 50 Mal ein Gramm kaufen würden.

Und wie viel Prozent des Vermögens sollten insgesamt in Gold fließen? Noch immer die berühmten zehn Prozent?

Ich selbst bin ein Freund von einem höheren Edelmetallanteil. Zwischen 20 und 30 Prozent. Aber das hängt vom Alter, den Präferenzen und der Risikobereitschaft ab. Man kann sich an fünf Fingern abzählen, dass die Gruppe jener, die sich Gold leisten können, überproportional zur Weltbevölkerung wächst. Der Bestand an Gold hingegen bleibt der gleiche oder wächst nur minimal. Deshalb wird der Preis langfristig auch nur eine Richtung kennen. Nach oben.

 

Foto oberer Bildrand (Ausschnitt): Interfoto