Ausgabe 01/2017 

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Ausblick

Ausgabe 01/2017

Der unberechenbare Präsident

Wie es in den USA nach der Präsidentenwahl jetzt weitergeht, warum das Britische Pfund noch mehr an Wert verlieren dürfte - und wie stark deutsche Sparer leiden

18 Vorschläge zur Änderung der Verfassung stehen in der Türkei zur Wahl.

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Ungewissheit am Bosporus. Wohin führt Erdogan die Türkei?

Anfang April wird das türkische Wahlvolk in einem Referendum darüber abstimmen, ob die Gewaltenteilung nach demokratischem Vorbild bestehen bleiben soll oder ob die 18 vorgesehenen Verfassungsänderungen das Land in ein exekutives Präsidialsystem verwandeln. Recep Tayyip Erdogan, der die Türkei schon heute im Ausnahmezustand regiert, will sich seinen präsidialen Regierungsstil damit quasi im Nachhinein legitimieren lassen. Zwar sagen die Umfragen ein knappes Ergebnis voraus, allerdings ist davon auszugehen, dass er eine Mehrheit für die Verfassungsänderungen finden wird. Neben der außenpolitischen Neuorientierung wären damit wohl auch Weichenstellungen für das Wirtschaftsmodell und die Gesellschaft verbunden. Religiöser Fundamentalismus statt säkularer und liberaler Grundordnung. Sollten die ausländischen Geldquellen angesichts von steigender Repression, Rechtsunsicherheit und Unruhen versiegen, wird Erdogan irgendwann die Frage beantworten müssen, wie er Wachstum und Arbeitsplätze mit seinem defizitären Wirtschaftsmodell generieren will. Im Falle von deutlichen Kapitalabflüssen sind auch Kapitalverkehrskontrollen nicht auszuschließen.

26,7 Mrd. Euro umfasste das Neuemissionsvolumen am Schuldscheinmarkt 2016

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Schuldscheinmarkt: Investoren auch 2017 höchst interessiert

Mit einem Neuemissionsvolumen von 26,7 Mrd. Euro und insgesamt 125 einzelnen Transaktionen erreichte der Markt für Unternehmens-Schuldscheindarlehen auch 2016 neue Bestmarken. Treiber waren insbesondere die zunehmende Nutzung durch ausländische Emittenten sowie eine Vielzahl an Jumbo- und Großtransaktionen. Die Spannbreite blieb mit Emissionen von mehr als einer Milliarde Euro bis hin zu Emissionen unterhalb von 50 Millionen Euro unverändert hoch. Kleinere und mittlere Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu einer Milliarde Euro (KMU) standen für knapp die Hälfte der Transaktionen und bildeten damit eine wichtige Emittenten-Gruppe. Gerade unter den Debütanten lag der Anteil der KMU mit fast zwei Dritteln bemerkenswert hoch. Angesichts des anhaltend niedrigen Zinsumfelds bieten Schuldscheindarlehen von KMU-Emittenten für in- und zunehmend auch für ausländische Investoren attraktive Möglichkeiten, sich bei Unternehmen des erweiterten deutschen Mittelstands zu engagieren. Schuldscheindarlehen bleiben deshalb auch 2017 eine interessante Alternative, sowohl für Investoren als auch für Emittenten.

2 Monate regiert nun der neue US-Präsident

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Trump: Unberechenbar, aber nicht allmächtig

Gemessen an der Zahl der erlassenen Dekrete, hat Präsident Donald Trump ein Tempo bei der Umsetzung seiner Wahlversprechen an den Tag gelegt, das seinesgleichen sucht. Wirklich berechenbar sind die Folgen aber nicht – vor allem, weil die tatsächliche Umsetzung oft noch in den Sternen steht. Es reicht eben nicht aus, Forderungen in Exekutiv-Direktiven zu verpacken und ihnen damit zu geltendem Recht zu verhelfen. Auch in den USA haben die Legislative und die Judikative meist noch ein gewichtiges Wort mitzureden, wie Trumps Vorstöße in der Migrations- und Sicherheitspolitik zeigen. Selbst der US-Präsident kann nicht über das geltende Recht hinwegregieren. Darüber hinaus birgt das politische Hin und Her Unsicherheiten, die durch Trumps Führungsstil noch verstärkt werden. Sein undiplomatisches und konfrontatives Auftreten, seine wenig konkreten Aussagen in wichtigen Fragen (soll es nun Grenzzölle oder Grenzsteuern geben oder nicht?) sowie die offensichtliche Verbreitung von Unwahrheiten durch Vertreter der US-Administration machen die Analyse seiner Politik zu einer echten Herausforderung. Die gute Nachricht ist: Für viele umstrittene Maßnahmen braucht Trump die Zustimmung des US-Kongresses. Und in diesem Gremium haben die gemäßigteren Vertreter der Republikaner und Demokraten das letzte Wort.

48 Prozent der britischen Warenexporte gehen in die EU.

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Brexit: Die Briten gehen schweren Zeiten entgegen

Nach der Rede von Premierministerin Theresa May steht fest: Ein weicher Brexit ist vom Tisch. Der angekündigte Austritt ist ihre Antwort darauf, dass die geforderte Kontrolle der EU-Zuwanderung und ein Ende der Gerichtsbarkeit durch den EuGH nicht mit der Mitgliedschaft im EU-Binnenmarkt vereinbar sind. Überrascht hat hingegen ihre Ankündigung, dass Großbritannien auch aus der Zollunion austreten will. Dadurch dürften beim Handel über den Ärmelkanal mittelfristig wieder Zölle erhoben werden. Ob das britische Experiment einer globaleren Orientierung langfristig gelingt, ist schwer abzuschätzen. Sehr wahrscheinlich ist aber, dass dem Königreich in der Übergangszeit aufgrund der starken Handelsverflechtung mit der EU schwere Zeiten bevorstehen. Mit dem drohenden harten Brexit dürfte der Investitionseinbruch in diesem und dem nächsten Jahr noch größer ausfallen als bislang unterstellt. Darüber hinaus stützen schwache britische Einzelhandelszahlen unsere Sicht, dass der mit der Pfund-Abwertung einhergehende Inflationsanstieg den privaten Konsum erheblich treffen wird. Wir haben deshalb unsere im Vergleich zum Konsensus pessimistischen Konjunkturprognosen für 2017/18 nach unten korrigiert. Mit dem Wagnis einer klareren Abspaltung von der EU hat sich allerdings auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es doch noch zu einem Exit vom Brexit kommen könnte. Dies wäre im Szenario einer tiefen Rezession durchaus denkbar.