Archiv/2016

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Ausblick

Im Westen viel Neues

Wie es in den USA nach der Präsidentenwahl jetzt weitergeht, warum das Britische Pfund noch mehr an Wert verlieren dürfte - und wie stark deutsche Sparer leiden

25 Mrd. Euro Emissionsvolumen kann der deutsche Schuldscheinmarkt 2016 erreichen.

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Schuldscheinmarkt: In allerbester Verfassung

Der Markt für Unternehmens-Schuldscheindarlehen entwickelt sich blendend. Mit einem Neuemissionsvolumen von 19,7 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten 2016 wurde der Rekordwert des Jahres 2015 bereits übertroffen. Die wichtigsten Treiber sind der Trend zu Großtransaktionen, die Substitution von Anleihen durch Schuldscheindarlehen sowie eine verstärkte Nutzung durch ausländische Emittenten. Beigetragen haben auch die gestiegene Anzahl an Debüt-Emittenten (etwas mehr als die Hälfte der Emissionen) sowie die zunehmende Anzahl an Emittenten mit Umsätzen von maximal einer Milliarde Euro (rund ein Drittel der Emittenten). Dabei deckte der Schuldscheinmarkt erneut ein breites Spektrum ab, angefangen von Emissionen im unteren zweistelligen Millionenbereich bis hin zum Milliarden-Format. Die Nachfrage von Emittenten und Investoren ist weiterhin gut, weshalb wir für das Gesamtjahr 2016 ein Volumen von mindestens 25 Milliarden Euro erwarten und auch für 2017 mit einer weiterhin regen Emissionstätigkeit rechnen.

290 der insgesamt 538 Wahlmännerstimmen konnte Donald Trump für sich gewinnen.

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US-Wahl: „Der Trump-Schock"

Donald Trump ist der neue Präsident der USA. Und jetzt? In näherer Zukunft sind nicht die eigentlichen politischen Forderungen Trumps das Problem, sondern vielmehr die Unsicherheit darüber. Denn erst am 20. Januar 2017 wird Trump als Präsident vereidigt und kann erst danach richtungsweisende Entscheidungen treffen. Bis dahin bleibt offen, was er von seinem Wahlprogramm überhaupt umsetzen kann – auch angesichts der Möglichkeit, dass selbst der weiterhin republikanisch dominierte Kongress seine Gesetzesvorhaben blockieren kann. Recht freie Hand hat Trump allerdings bei seiner protektionistischen Handelspolitik, indem er ohne Kongresszustimmung Schutzzölle erlassen kann. Zudem wäre es ihm möglich, über Exekutiv-Direktiven den Kongress im Rahmen der aktuellen Gesetzgebung zu übergehen und mehr illegale Einwanderer abzuschieben. Angesichts dieser Unwägbarkeiten dürfte die Unsicherheit in den kommenden Monaten hoch bleiben. Die Volatilität an den Finanzmärkten und die erhöhten Risikoaufschläge für bestimmte Asset-Klassen werden deshalb nicht so schnell an Bedeutung verlieren. Unserer Einschätzung nach dürften sich trotz der zu erwartenden Steuererleichterungen die Konjunkturaussichten für die kommenden Jahre eintrüben. Allein schon die hohe Unsicherheit über den weiteren politischen Kurs wird zur Investitionszurückhaltung führen und den US-Außenhandel vor schwierige Zeiten stellen.

8 Mrd. Euro jährlich büßten deutsche Sparer durch die Niedrigzinspolitik der EZB zwischen 2010 und 2015 ein.

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Folgen der EZB-Politik: Die Leiden der deutschen Sparer

Der deutsche Sparer ist in der Niedrigzinsphase zum Politikum geworden. Denn die deutschen Haushalte sind als Nettogläubiger negativ vom niedrigen Zinsniveau betroffen. Dabei werden die Zinsausfälle im Bereich festverzinslicher Anlagen durch niedrigere Kreditzinsen und die positive Wertentwicklung des Aktienvermögens allenfalls gemindert. Zwischen 2010 und 2015 schätzen wir den durchschnittlichen jährlichen Nettoverlust auf acht Milliarden Euro. Die Belastung wird mit fortlaufender Dauer der Niedrigzinsphase sogar noch steigen, da im Bereich der festverzinslichen Anlagen zunehmend höherverzinste Anlagen fällig werden und durch niedriger rentierliche Anlagen ersetzt werden müssen. Dennoch hat sich das Anlageverhalten der Sparer bisher kaum verändert. Die Sparneigung hat sogar noch zugenommen. Der Weg in Richtung risikoreichere Asset-Klassen wird bislang kaum beschritten. Die Haushalte halten eher eine kurzfristige und kaum verzinste Anlagereserve vor, wohl auch in der Hoffnung auf wieder steigende Zinsen. Umfragen deuten allerdings an, dass im Falle einer breiten Einführung negativer Guthabenzinsen mit deutlichen Reaktionen zu rechnen ist. In diesem Fall dürften zum einen risikoreiche Asset-Klassen wie Aktien stark profitieren. Zum anderen dürfte auch die Bargeldhaltung deutlich steigen. Das Verhalten der deutschen Sparer determiniert damit künftig auch die effektive Zinsuntergrenze und bestimmt den zinsseitigen Spielraum der EZB.

11 % verlor das Pfund an Wert gegenüber dem Dollar unmittelbar nach dem Brexit-Votum.

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Klein-Britannien: Weitere Pfund-Abwertung voraus

Nach der starken Pfund-Abwertung im Zuge des Brexit-Votums im Juni setzte im Herbst eine weitere Abwertungswelle ein. Auch wenn eine richterlich angeordnete Einbeziehung des Parlaments den Prozess noch verzögern könnte, gehen wir weiterhin davon aus, dass Premierministerin Theresa May bei ihrem Kurs bleibt, bis März 2017 den formalen EU-Austritt nach Artikel 50 des EU-Vertrags einzuleiten. Und zwar in Richtung eines harten Brexit. Um den Forderungen der Bevölkerung nach einer Beschränkung der EU-Immigration gerecht werden zu können, riskiert sie damit auch den Austritt aus dem EU-Binnenmarkt. Auf jeden Fall wird sie mit ihrer Position auf eine harte Verhandlungslinie der EU treffen. Die Investitionszurückhaltung und ein rückläufiger Konsum angesichts der inflationstreibenden Wirkung der Pfund-Abwertung dürften UK 2017 deshalb in eine (milde) Rezession abrutschen lassen. In Kombination mit dem hohen britischen Leistungsbilanzdefizit und Sorgen vor einem „Little England" im Falle einer Abspaltung Schottlands steht das Pfund im Jahresverlauf 2017 damit weiter unter Abwertungsdruck. Ein Erreichen der Parität des Pfunds zum Euro ist innerhalb des nächsten Jahres durchaus möglich. Selbst im (unwahrscheinlichen) Fall eines Exits vom Brexit sprechen die damit verbundenen Neuwahlen und ein mögliches weiteres EU-Referendum auf absehbare Zeit gegen gefestigte politische Verhältnisse in UK.