Archiv/2016

MittelPunkt.

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Unternehmen & Management

"Manchmal ist der schmerzhafte Weg der richtige"

Dominik Asam, Finanzchef von Infineon, über den Wandel des Unternehmens vom Sorgenkind zum Börsenliebling; darüber, warum es keine Rendite ohne Risiko gibt – und warum er selbst manchmal die Rolle des Skeptikers übernimmt.
von Olaf Butterbrod

Herr Asam, ist es für Sie eine angenehme Vorstellung, dass Sie irgendwann in einem selbstfahrenden Auto sitzen und nichts tun müssen?

Absolut. Wer am Steuer sitzt, kann nichts anderes machen. Dabei könnte man diese Zeit viel sinnvoller nutzen. Ja, ich freue mich aufs autonome Fahren.

Freude dürfte bei Ihnen auch deshalb aufkommen, weil Infineon als Zulieferer der Autoindustrie davon enorm profitiert. Dabei kämpfte Ihr Unternehmen vor gerade mal acht Jahren noch um das Überleben.

Das stimmt. Infineon hat zwei Mal große Teile seines Geschäfts abgetrennt. Als Erstes haben wir unser Speichergeschäft veräußert, damals rund 40 Prozent unseres Umsatzes. Dann der Verkauf unserer Wireless-Aktivitäten 2011. Da brach für uns nochmals ein Drittel des Umsatzes weg. Wir haben uns auf die restlichen Aktivitäten konzentriert, die heute unser Geschäft ausmachen, und diese seit 1999 organisch mehr als vervierfacht. So haben wir gelernt: Strukturwandel ist nicht nur unausweichlich, sondern kann auch Chancen bieten. Manchmal ist der schmerzhafte Weg eben der richtige.

Und Ihr eigener Weg bei Infineon seit Ihrem Amtsantritt als Vorstand 2011 …

… war spannend und intensiv. Generell waren die vergangenen fünf Jahre geprägt von sehr starkem Wachstum. Auch beim Kapitalmarkt-Zugang haben wir große Fortschritte erzielt. Die Bonität ist sehr gut, bei Standard & Poor’s haben wir mit einem „Triple-B Flat" den Investment-Grade-Status erreicht. Beides macht uns das Leben leichter.

Infineon agiert in einem global sehr wettbewerbsintensiven Markt. Was bedeutet das für Ihre Risikostrategie?

Wir sind davon überzeugt, dass man eine führende Marktposition nur verteidigen kann, wenn man Risiken eingeht. Das heißt, auch in Dinge zu investieren, die noch keiner auf der Welt vorher gemacht hat. Unsere Fertigung auf 300-Millimeter-Dünnwafern ist dafür ein gutes Beispiel. So eine Entwicklung ist nichts für Leute, die sehr risikoavers sind. Allerdings nehmen wir nur Risiken in Kauf, von denen wir uns auch eine hohe Rendite versprechen. Ich persönlich bin übrigens eher der etwas risikoscheue Typ und nehme hier auch schon mal die Rolle des Glas-halbleer-Skeptikers ein.

Der größte Absatzmarkt von Infineon ist China. Ist das auch der härteste?

Ich denke schon. China hat gewisse Ambitionen, einige Produkte, wie wir sie verkaufen, selbst zu fertigen. Wir müssen unseren Technologievorsprung halten, damit es sich für unsere Kunden auch künftig lohnt, weiterhin die verlässlichen Produkte von Infineon einzubauen.

Wie wird sich Infineon langfristig weiterentwickeln?

Unsere Märkte sind zum Teil noch recht fragmentiert, dort besteht genug Potenzial. Wir werden deshalb auch weiterhin organisch wachsen. Wir müssen nicht diversifizieren. Unser Ziel muss vielmehr sein, unsere Nummer-eins-Positionen auszubauen und dort, wo wir derzeit die Nummer zwei sind, die weltweite Marktführerschaft zu erlangen.

2014 haben Sie den US-Leistungshalbleiterhersteller International Rectifier übernommen, und gerade erst haben Sie die Akquisition Ihres Wettbewerbers Wolfspeed angekündigt. Gibt es weitere Kandidaten auf Ihrer Einkaufsliste?

Wir ziehen immer Akquisitionen in unseren derzeitigen Märkten in Betracht. Glücklicherweise haben wir aber keine Lücken im Portfolio, die wir um jeden Preis schließen müssten. Wir zählen nicht zu jenen, die bereit wären, jeden Preis zu bieten.

Und die andere Option: Ist Infineon selbst ein Übernahmekandidat?

Unser Unternehmen ist hoch attraktiv, und deshalb kann man auch nicht ausschließen, dass jemand Infineon in der Zukunft übernehmen möchte. Wir sind dem Aktionär gegenüber verpflichtet, jedes Angebot neutral zu bewerten. Aber: Wir sind gerne unabhängig. Wir haben bei Infineon sehr viel, was wir selbst heben können. Auch langfristig rechnen wir mit einem durchschnittlichen organischen Wachstum von acht Prozent pro Jahr.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Foto (Ausschnitt) oberer Bildrand: Infineon