Archiv/2016

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Märkte & Finanzen

Betriebsrenten: bilanzieller Sprengstoff

Die Auswirkungen von Pensionsversprechen
von Bernd Grebler

Illustration: BayernLB/Pieter van Eenoge

Für Betriebsrenten sind in der Bilanz Rückstellungen zu bilden, die sich negativ auf die Eigenkapitalquote und in der HGB-Bilanz auch auf das Jahresergebnis auswirken. Die künftigen Zahlungen werden mit dem Wert erfasst, den man heute zur Seite legen müsste, um mit Zins und Zinseszins seine künftigen Verpflichtungen erfüllen zu können, dem sogenannten Barwert. Da keiner die künftige Zinsentwicklung kennt, wird ein fiktiver Rechnungszins angesetzt, der sich an der Rendite von Anleihen guter Bonität orientiert. Nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS entspricht der Rechnungszins dem aktuell gültigen Zinssatz. Jede Änderung wirkt sich also direkt in der Bilanz aus. In der HGB-Bilanz hingegen wird seit diesem Jahr nach einem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre (früher: sieben Jahre) abgezinst. Der Effekt niedriger Zinsen tritt also verzögert ein und schlägt mit voller Wucht erst zu, wenn die letzten zinsstarken Jahre aus der Durchschnittsbildung herausfallen.

Die Auswirkungen können im Einzelfall dramatisch sein. Ein Beispiel: Sagt ein Unternehmen seinem 55-jährigen Mitarbeiter zum Rentenbeginn mit 65 Jahren eine Einmalzahlung in Höhe von 10.000 Euro zu, muss es bei einem Rechnungszins von 3,5 Prozent heute eine Zahlungsverpflichtung in Höhe von 7.089 Euro in seiner Bilanz ansetzen. Läge der Rechnungszins bei nur 2 Prozent, müsste das Unternehmen dafür 8.203 Euro zu Seite legen – stolze 16 Prozent mehr.

Unternehmen, die ihre Bilanz optimieren und hohe Rückstellungen vermeiden wollen, bilden wie Daimler ein Planvermögen, das nur für Betriebsrenten eingesetzt werden darf. Auch Hochtief hat diesen Weg gewählt und mit einem Contractual Trust Arrangement (CTA) ein Treuhandmodell aufgesetzt. Das so geschützte Vermögen darf bei der Berechnung der Rückstellungen abgezogen werden und entlastet die Bilanz. Ein Vorteil gegenüber Ratingagenturen und Analysten, deren Noten darüber entscheiden, wie günstig oder teuer sich ein Unternehmen am Kapitalmarkt finanzieren kann.

 

Illustration (Ausschnitt) oberer Bildrand: BayernLB/Pieter van Eenoge