Archiv/2016

MittelPunkt.

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Märkte & Finanzen

gate Garching

Eine lebendige Start-up-Szene, die gibt es doch nur im Silicon Valley, und in Deutschland vielleicht noch in Berlin. Oder? Im Gründerzentrum gate Garching vor den Toren Münchens treten junge Hightech-Unternehmen den Gegenbeweis an
von Bernd Grebler

Das Tor zum Erfolg

Christian Heckemann steht am Fenster seines Büros und zeigt auf ein Entenpaar. „Die brüten hier jedes Jahr", sagt der Geschäftsführer des Gründerzentrums gate Garching. „Im Grunde läuft es bei denen ganz ähnlich wie bei unseren Unternehmen. Wenn die Kleinen flügge sind, müssen sie sich in der Welt da draußen alleine behaupten."

Christian Heckemann, Geschäftsführer des gate Garching
Foto: Luise Aedtner

Doch bis es soweit ist, brauchen Heckemanns Mieter erst mal ein Klima, in dem sie sich überhaupt entwickeln können. Mit günstigen Büroräumen, klasse Netzwerkmöglichkeiten und einem professionellen Auftritt. Deshalb ist für die Start-ups hier auch alles inklusive – vom Empfang über einen Sekretariatsservice bis hin zu repräsentativen Konferenzräumen, um einen guten Eindruck bei den Kunden zu hinterlassen.

„Unser größter Vorteil ist die Lage auf dem Garchinger Forschungscampus", sagt Heckemann. Nach dem Vorbild des Silicon Valley liegen Unternehmertum und Forschung auch hier nur wenige Schritte auseinander. Fünf Fakultäten der Technischen Universität München und zahlreiche wissenschaftliche Institute, allein drei der Max-Planck-Gesellschaft und das Leibniz-Rechenzentrum, alles auf engstem Raum. Gleich nebenan liegt die Ideenschmiede UnternehmerTUM.

Standort mit Aussicht
Zehn Unternehmenslenker von den mehr als 60 Start-ups, die im Gate Garching zu Hause sind
Foto: Luise Aedtner

„Dort tüfteln die Studenten an Businessplänen, die sie dann bei uns umsetzen können", sagt Heckemann. Dass Garching für Hightech-Unternehmen ein idealer Standort ist, hat sich längst herumgesprochen. Selbst General Electric ist mit seinem größten Forschungsstandort außerhalb der Vereinigten Staaten vor Ort. Viele Erfolgsgeschichten haben in Garching ihren Anfang genommen, aber eine sticht besonders heraus. „2003 ist eine kleine Firma namens Metaio als Ausgründung der TU München mit einem einzigen Büroraum bei uns gestartet", sagt Heckemann. Schon wenige Jahre später galt das Start-up als weltweit führender Augmented-Reality-Pionier – ein Anbieter für die computergestützte Erweiterung der Realität, der mittels Smartphone-App etwa den Ikea-Katalog zum Leben erweckte und die schwedischen Möbel in die Wohnungen der Kunden projizierte. Spätestens da wurden dann auch die ganz Großen auf das Start-up aufmerksam. Seit vergangenem Jahr steht der Schreibtisch von Metaio-Gründer Thomas Alt nun bei Apple in Cupertino. Was genau die Amerikaner für den Kauf seines Unternehmens gezahlt haben, ist nicht bekannt, aber der Scheck über einen Betrag im Millionenbereich dürfte seinen Umzug ins Silicon Valley erleichtert haben.

Heckemann zeigt jetzt noch einmal nach draußen. Das Entenpärchen vor seinem Fenster baut fleißig an seinem Nest. Auch dort ist jetzt offenbar Gründerzeit.

Foto oberer Bildrand: Luise Aedtner