Archiv/2016

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Märkte & Finanzen

Zahlungsverkehr

Wie die Deutsche Kredit Bank den Zahlungsverkehr erleichtern will
von Franziska Roederstein

Leben á la carte

Nein, die Kassiererin an der Supermarktkasse trifft keine Schuld. Sie kann die Waren auf dem Band so schnell scannen, wie sie will, die Schlange vor ihrer Kasse wird trotzdem immer länger. Und warum? Nur weil der Kunde ganz vorne in der Schlange ihr mal wieder helfen will. „Warten Sie", sagt der Kunde, „die 34 Cent habe ich passend." Um dann lange und umständlich in den Tiefen seines Portemonnaies zu kramen – und am Ende kleinlaut einzuräumen: „Nein, hab’ ich wohl doch nicht."

Geht es nach den großen Einzelhändlern im Land soll mit dieser Trödelei bald Schluss sein. Nachdem etwa Aldi Nord seine Kassensysteme bereits im Juni vorigen Jahres auf NFC umgestellt hat, können die Kunden bei Aldi Süd ihre Einkäufe seit Dezember nun ebenfalls per Nahfunktechnik begleichen.

NFC steht für Near-Field-Communication und bezeichnet eine Technologie, mit der sich Waren schnell und kontaktlos bezahlen lassen. Wahlweise mit der Kreditkarte oder auch mit dem Handy. Beides muss nur vor den Bezahlterminal gehalten werden, damit die Abrechnung automatisch erfolgen kann. Ohne lästiges Kramen nach Kleingeld und ohne Zeitverlust für die wartenden Kunden hinter einem.

Noch ist Deutschland im Vergleich zu Ländern wie den USA, Großbritannien oder Schweden Entwicklungsland in Sachen bargeldloser Zahlungsverkehr. Mehr als 50 Prozent der Einkäufe erledigen die Bundesbürger laut Notenbank-Statistik mit Barem. Doch das dürfte auf Dauer nicht so bleiben.

„Wir sehen hier ein großes Potenzial", sagt Tilo Hacke, Privatkundenvorstand der Deutschen Kreditbank (DKB), einem Tochterunternehmen der Bayerischen Landesbank. „Das bequemere und schnellere Bezahlen per NFC wird den Einsatz der Kreditkarte im Zahlungsverkehr erhöhen. Wir haben deshalb bereits einen Großteil unserer Kreditkarten mit dem dafür benötigten Chip ausgestattet und werden die Umstellung bis Mitte des Jahres abschließen."

Vor allem bei Geschäftsreisenden stoßen die neuen Angebote bereits auf große Resonanz. Acht von zehn Fach- und Führungskräften, so das Ergebnis einer Studie des Deutschen Reiseverbands (DRV), nutzen beim Bezahlen Handy-Apps – etwa beim Begleichen ihrer Taxirechnungen. Und auch die Bundesbürger ganz allgemein liebäugeln damit, ihre Rechnungen künftig mobil zu zahlen. „Immerhin fast 30 Prozent der von uns Befragten haben an der Kasse schon mal mit ihrem NFC-fähigen Smartphone gezahlt oder können sich gut vorstellen, dies in Zukunft zu tun", sagt Ulrich Dietz, Vizepräsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). „In der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen liegt die Zustimmungsrate sogar bei 75 Prozent."

Vorstellen ist das eine, wirklich machen das andere. Was allerdings auch kein Wunder ist, wenn sich die Kunden für jede Transaktion eine jeweils eigene App herunterladen sollen. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Anbietern am Markt, die das Bezahlen vereinfachen wollen. Junge FinTech-Unternehmen wie Gini Pay oder Lendstar beispielsweise.

Eine Idee allerdings hat die DKB ganz besonders überzeugt: Cringle – ein Berliner Start-up, das Person-to-Person Geldtransaktionen ermöglicht und mit dem die DKB im Dezember 2014 eine umfangreiche Kooperation eingegangen ist. „Die Idee entstand, als ich mit ein paar Freunden beim Fußball war", sagt Cringle-Gründer Joschka Friedag. „Im Anschluss an das Spiel haben wir gemeinsam noch ein Bier getrunken, jedoch musste eine Person für alle zahlen, da niemand sonst sein Portemonnaie mit zum Sport gebracht hatte. Da fiel mir auf, dass zwar niemand Bargeld, alle jedoch ihr Smartphone parat hatten und ich fragte mich: Warum können wir das Geld nicht einfach mit dem Smartphone schicken?"

Immerhin mehr als 122 Millionen Euro werden in Deutschland tagtäglich unter Privatpersonen ausgetauscht – 92 Prozent davon in bar und nur selten ohne Probleme. Der eine hat nur Scheine, der andere kann nicht wechseln. Und der Dritte, na ja, hat mal wieder sein Portemonnaie vergessen. Ein Zirkus, der nicht länger sein muss. Geldbeträge können dank Cringle nun schnell und sicher via Smartphone versendet werden, ganz ohne Kenntnis der Kontonummer des Gegenübers. Der Nutzer wählt einfach nur den gewünschten Kontakt in seinem Telefonverzeichnis aus, gibt den zu zahlenden Betrag ein und drückt auf Senden. Den Rest erledigt das Start-up in Kooperation mit der DKB.

So lässt sich auch im Restaurant die Rechnung unter Freunden unproblematisch teilen. Und zwar ohne lästiges Kramen nach Kleingeld – wie mitunter an der Kasse im Supermarkt.

 

Illustration oberer Bildrand (Ausschnitt): Karsten Petrat