Archiv/2016

MittelPunkt.

Das Magazin der BayernLB

Ausblick

Deutsch-amerikanische Freundschaft

Warum Erholungspotential für den DAX besteht, Amerikaner und Europäer aufeinander Rücksicht nehmen – und die Dollar-Parität so schnell nicht erreicht wird. Hier analysieren Jürgen Michels, Leiter Research der BayernLB, und sein Team die wichtigsten Trends der nächsten Monate.

0,25-0,5 % betragen jetzt die Leitzinsen in den USA.

Illustration: iStock

Geldpolitik 2016: Droht sich die Schere weiter zu öffnen?

Vergangenen Dezember machten die EZB und die Fed ihre ersten Schritte hin zu einer divergierenden Geldpolitik. Dabei nahmen sie aber durchaus aufeinander Rücksicht. So hat der EZB-Rat zwar den Einlagesatz nochmals gesenkt, allerdings weniger stark als erwartet. Auch die Ausweitung des QE-Programms fiel nur moderat aus. Die fehlende Aufstockung der monatlichen Käufe wurde marktseitig mit Enttäuschung quittiert. Ähnlich behutsam ging die Fed vor. Zwar erhöhte sie Mitte Dezember erstmals seit zehn Jahren die Leitzinsen auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Jedoch bemühte sie sich, die kontraktive Wirkung durch die Aussicht auf einen künftig sehr fachen Anhebungspfad zu mindern. Auch 2016 sollte sich die Schere zwischen der europäischen und amerikanischen Geldpolitik nur langsam öffnen. Aufgrund steigender Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick dürfte die EZB die QE-Ausweitung zwar in den kommenden Monaten nachholen. Und auch eine weitere Senkung des Einlagesatzes ist wahrscheinlich. Aber die Fed dürfte in diesem Umfeld ihrerseits mit dem nächsten Zinsschritt bis September warten. 

1,12 Dollar kostet der Euro derzeit.

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Devisenmärkte 2016: Wann erreicht der Euro die Parität zum Dollar?

Entgegen den Erwartungen etlicher Marktteilnehmer rechnen wir 2016 noch nicht damit, dass der Euro-Dollar-Wechselkurs nachhaltig die Parität durchschreitet. Die EZB wird zwar voraussichtlich den Euro im März durch eine QE-Ausweitung schwächen. Dies dürfte jedoch den Wechselkurs insgesamt noch nicht in die Nähe der Parität treiben. Denn die hohen offenen Euro-Short-Positionen gegenüber dem Dollar deuten darauf hin, dass viele Marktteilnehmer auf ein oder zwei US-Zinserhöhungen im ersten Halbjahr setzen, deren Ausbleiben den Dollar belasten dürfte. Dies gilt umso mehr, als der Dollar bereits aktuell (bei 1,12 Dollar je Euro) eine hohe Bewertung erreicht hat, gemessen zum Beispiel an der Kaufraftparität. Wir gehen erst im zweiten Halbjahr von einer weiteren Fed-Zinsanhebung aus, die den Dollar – zusammen mit der Aussicht auf weitere Zinsschritte 2017 – bis zum Jahresende nahe an die Parität und 2017 dann auch darunter führen dürfte.

10% verlor der DAX in den ersten zwei Januarwochen.

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Aktienmärkte 2016: Wohin bewegt sich der DAX?

Die schwache Aktienmarktentwicklung zu Jahresbeginn und der volatile Vorjahresverlauf verdeutlichten, dass eine expansive Geldpolitik allein für Aktienkursanstiege nicht ausreicht. Voraussetzung für stabile und steigende Aktienbewertungen ist auch eine robuste Weltkonjunktur, an der Investoren aufgrund der Wachstumsabschwächung in China zunehmende Zweifel hegen. Wir erwarten allerdings kein „hard landing" in China und rechnen mit einer Fortsetzung des moderaten Wachstumspfads der Weltwirtschaft. Daher gehen wir davon aus, dass die Aktienbewertungen 2016 im Vergleich zum Vorjahresdurchschnitt in etwa konstant bleiben. Bei gleichzeitig leicht steigenden Unternehmensgewinnen würde dies dem DAX Erholungspotenzial eröffnen. Aufgrund der konjunkturellen Risiken und der zahlreichen (geo-)politischen Krisen ist jedoch weiter mit hoher Volatilität zu rechnen. Die Divergenz der Geldpolitik von EZB und Fed sowie die auf Jahressicht erwartete Abwertung des Euro sollte 2016 zu einer erneuten, wenn auch nur geringen Outperformance europäischer Aktien gegenüber US-Aktien führen.

30 Dollar zahlen Käufer aktuell für das Barrel Öl.

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Rentenmärkte 2016: Steigen die langfristigen Zinsen bald wieder?

Der stimulierende Effekt niedriger Energiepreise – das Barrel Öl kostet derzeit so wenig wie selten zuvor – bleibt intakt, wodurch sich der konjunkturelle Aufschwung fortsetzt. Da die EZB ihre Geldpolitik wohl trotzdem nochmals lockern wird, dürfte die 10-Jahres- Bundrendite in den nächsten Wochen niedrig bleiben. Im zweiten Halbjahr erwarten wir allerdings wieder steigende Rohölpreise, was dann auch die US-Notenbank zu ihrer zweiten Zinsanhebung ermutigen dürfte. Auf Zwölf-Monatssicht dürften die langfristigen Zinsen auch in Deutschland moderat höher liegen. Investoren sollten auf Peripherieanleihen oder Papiere aus der zweiten deutschen Reihe wie Länderanleihen und Kommunalanleihen ausweichen, um eine Überrendite zu erwirtschaften. Covered Bonds dürften ebenfalls von einer weiterhin expansiven EZB-Geldpolitik und der regulatorischen Besserstellung profitieren, wobei spanische und italienische Papiere höhere Ertragsaussichten als deutsche Pfandbriefe aufweisen. Bei Corporate Bonds empfehlen wir nicht-zyklische Sektoren, die sich in einem insgesamt schwierigen Umfeld für Unternehmensanleihen am besten schlagen dürften.